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Nahrungsergänzungsmittel aus dem Internet - Schlankheitsmittel (2012)

Stand:

Der Kauf von Schlankheitsmitteln im Internet ist mit Risiken verbunden. Schon bei einer kleinen Stichprobe von nur 25 als Nahrungsergänzungsmittel (NEM) vertriebener Mittel, wurden zwei der Produkte von der amtlichen Überwachung als nachweislich gesundheitsschädlich beurteilt.

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Die unbefriedigende Rechtslage bei NEM auf der einen Seite und die Zunahme des online-Handels mit solchen Produkten auf der anderen Seite haben die Verbraucherzentralen veranlasst, das Angebot von NEM aus dem Internet exemplarisch am Beispiel von Schlankheitsmitteln in einer bundesweiten Studie zu analysieren. Besonders beim Vertrieb über das Internet fallen unhaltbare Wirkversprechen und problematische Zutaten auf.

Der Onlinehandel ist derzeit ein teilweise rechtsfreier Raum, da die vorhandenen Regelungen weitgehend auf die herkömmliche Überwachungstätigkeit bezogen und nicht durchgängig anwendbar sind.

100 Onlineshops, deren Angebot sich an deutsche Verbraucher richtete, wurden zunächst anhand eines vorab erstellten Kriterienkatalogs zur Verbraucherfreundlichkeit des jeweiligen Shops bewertet. Informationen zum Unternehmen, kaufrechtliche Aspekte wie Widerrufsbelehrung und Lieferbedingungen, Informationen zum Datenschutz und insbesondere Informationen zum Produkt einschließlich der Werbeaussagen wurden erfasst. 34 Prozent der Anbieter hatten ihren Unternehmenssitz in Deutschland, 30 Prozent in anderen EU-Mitgliedstaaten, 13 Prozent saßen in den USA und für die restlichen Shops ließ sich der Unternehmenssitz anhand des Internetauftritts nicht ermitteln.

Bei 60 Prozent der recherchierten Unternehmen waren die Pflichtangaben laut Telemediengesetz (TMG) unvollständig. Es dürfte kein Zufall sein, dass sich insbesondere Unternehmen mit Sitz in Drittstaaten mit ihrem Internetangebot gezielt an deutsche Kunden richten, sich aber jeglicher Form von Kontrolle durch fehlende Angaben und Verschleierung ihrer tatsächlichen Identität entziehen.

Exemplarisch wurden 25 als Schlankheitsmittel bezeichnete Nahrungsergänzungsmittel privat bestellt und an die amtliche Lebensmittelüberwachung zur Begutachtung übergeben. Zehn der Proben wurden dem Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt in Halle übergeben und beim Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt begutachtet. In mehreren Fällen wurde die Arzneimittelüberwachung hinzugezogen. Alle Proben waren zu beanstanden. Da die Shop-Betreiber ihren Sitz nicht in Sachsen-Anhalt hatten, wurden zwei Proben über das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt nach Österreich bzw. in die Schweiz weitergeleitet, die anderen Befunde gingen an die jeweils zuständigen Überwachungsbehörden in anderen Bundesländern zur Weiterverfolgung. Hier wurden teilweise nur Briefkastenadressen vorgefunden. Zwei Fälle wurden schließlich direkt an die Staatsanwaltschaft in Halle übergeben.

Fazit: Der Kauf von NEM im Internet ist gefährlich.

  • Schon bei einer Stichprobe von nur 25 als NEM vertriebenen Schlankheitsmitteln wurden zwei der Produkte von der amtlichen Überwachung als nachweislich gesundheitsschädlich beurteilt. Davon enthielt ein als "rein pflanzlich" beworbenes Produkt ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel (Sibutramin), das wegen seiner gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen innerhalb Europas gar nicht mehr vertrieben werden darf. Ein anderes enthielt verbotene Pflanzenstoffe ( Ephedrakraut).
  • Bei einer Vielzahl weiterer Produkte konnten Nachteile für die Gesundheit zumindest nicht ausgeschlossen werden. So fand man extrem hohe Dosen Koffein oder arzneitypische Mengen von Vitamin D. Einige der übrigen Mittel wurden schon aufgrund ihrer unzulänglichen Kennzeichnung als nicht verkehrsfähig eingestuft - eine Prüfung, ob diese Produkte möglicherweise ebenfalls gesundheitsschädliche Substanzen enthielten, fand in diesen Fällen gar nicht statt.
  • Auffallend ist die Verwendung einer schier endlosen Liste von für Lebensmittel unüblichen, teilweise exotischen Pflanzenstoffen, die häufig in die Kategorie der nicht zugelassenen neuartigen Lebensmittel (wie Hoodia, Mariendiestel) fallen. Dabei handelt es sich oft um nicht näher charakterisierte Pflanzengemische, bei denen kein ursächlicher Zusammenhang zwischen Zutaten und Wirkversprechen hergestellt werden kann.
  • Verbotene Angaben über Dauer und Ausmaß der Gewichtsabnahme waren ebenfalls zu beanstanden. Ein tatsächlicher Nutzen ist durchweg fraglich, eine Täuschung des Verbrauchers an der Tagesordnung.
  • Dasselbe gilt für die damit verbundenen wirtschaftlichen Einbußen des Käufers.