Wenn aus Geschäftssinn pure Abzocke wird

Pressemitteilung vom
Unterschrift
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Eigentlich ging es der 76-jährigen Verbraucherin nur darum, aufgrund eines ärztlichen Rates in einer Salzgrotte zu inhalieren. Das nahegelegene Vitalstudio verfügt über eine solche. Wäre das eine Möglichkeit, dem ärztlichen Rat nachkommen zu können? Der Besuch im Studio endet jedoch anders, als geplant. Die Verbraucherin hat nunmehr eine Mitgliedschaft zur Nutzung der Trainingseinrichtungen eines Studios und das „auf ihren Wunsch“ für die Dauer von 104 Wochen, sprich 2 Jahre. Das inklusive einer 10er-Karte für die Salzgrotte und zum jährlichen Preis von 641 Euro plus vierteljährlicher Servicepauschale von 39,90 Euro. Aber noch ein weiterer Vertrag wird geschlossen. Für 100 Euro kann die Verbraucherin innerhalb von 12 Monaten an einem Gesundheits- und Präventionsprogramm mit 8 Kurseinheiten teilnehmen. Muskelaufbau sei für ältere Menschen sehr wichtig. Die letzten Zweifel für eine Unterschriftsleistung werden ausgeräumt, indem der Studiomitarbeiter versichert, dass bei gesundheitlichen Problemen mittels eines ärztlichen Attestes jederzeit die Mitgliedschaft beendet werden kann.

Dann kam die Schließung des Studios wegen der Covid-19-Pandemie. Die Beiträge wurden – entgegen der geltenden Gesetzeslage – trotz Schließung weiter eingezogen. Jetzt ist Training wieder möglich, aber unter Einhaltung der geltenden Hygieneregeln. Die Hausärztin der älteren Dame rät dringend davon ab, weiter am Training teilzunehmen. Das beeindruckt das Studio jedoch nicht. Die fristlose Kündigung wird abgelehnt. Das Resümee der Verbraucherin: „ Jetzt merke ich, Hauptsache Vertrag – Ich komme mir als alter Mensch über den Tisch gezogen vor.“

Dem kann die Verbraucherzentrale nur zustimmen. Es war einfach, der betagten Verbraucherin die Unterschriftsleistungen – mit nicht unerheblichen finanziellen Aufwendungen – zu entlocken, noch dazu mit falschen Versprechungen. Rein formaljuristisch sind die Verträge nicht angreifbar. Die Unterschriften erfolgten freiwillig, die Laufzeitvereinbarung wurde „auf eigenen Wunsch“ per Hand eintragen und mit bereits bestehenden Erkrankungen kann kein außerordentliches Kündigungsrecht begründet werden.

Der Rat der Verbrauchzentrale ist deshalb eindeutig: Keine übereilten Unterschriften leisten. Mündliche Äußerungen, die sich nicht im Vertrag wiederfinden, sind nichts wert. Bevor man sich vertraglich bindet, vielleicht noch unsicher ist, den Rat von Familie, Freunden oder der Verbraucherzentrale suchen.

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