Mehrmalige Einladung zum Gratis-Hörtest wird nervig

Pressemitteilung vom

Herr P. aus Eisleben ist mehr als verärgert. Er erhält seit vergangenem Jahr persönlich adressierte Werbung eines Hörgeräteakustikers, der offensichtlich ganz genau weiß, dass er über 70 Jahre alt ist und damit für die Problematik empfänglich sein könnte

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Die Rede ist von einer angeblichen bundesweiten Initiative zur Hörgesundheit. Man könnte meinen, das Bundesgesundheitsministerium ruft zum Hörtest. Nach aktuellen Studien seien mittlerweile 15 Millionen Menschen  - also jeder Dritte ab 50 Jahren und jeder Zweite ab 70 Jahren - von einer Beeinträchtigung ihres Hörvermögens betroffen. Deshalb anbei eine Einladung zum kostenlosen Hörtest. Das Ganze dauere nur 15 Minuten und sofort erhält man das Ergebnis. Eine Überweisung des Hausarztes sei nicht nötig und selbstverständlich ist der Hörtest kostenlos und unverbindlich.

Aber ist das so? Was macht der Betroffene, wenn tatsächlich eine Beeinträchtigung des Hörvermögens festgestellt wird? Wie ist der richtige Weg? Wer zahlt letztlich dafür?


Was jeder gesetzlich Krankenversicherte wissen sollte:

  • Diejenigen, die ein Hörgerät benötigen, erhalten nach einem Beschluss des Spitzenverbands der Krankenkassen einen Festbetrag von bis zu 784,94 Euro.
  • Betroffene haben einen Anspruch auf aufzahlungsfreie Hörhilfen.
  • Der Anspruch umfasst die Anpassung, das Testen der Geräte, die Wartung der Geräte und die Reparatur.
  • Die Hörhilfen müssen geeignet, qualitativ hochwertig und medizinisch notwendig sein.
  • Mehrkosten aufgrund eines höherwertigen Gerätes und eines sonst besonderen Gerätes, das nicht medizinisch notwendig ist, muss der Betroffene selbst tragen.

Als Kassenleistung gibt es ein Hörgerät bei erstmaliger Anschaffung nur auf Rezept nach einer Untersuchung beim Ohrenarzt. Mit der Verordnung in der Tasche sollten sich Versicherte zunächst bei ihrer Krankenkasse erkundigen, welche Hörgeräteakustiker sie als Vertragspartner mit einem Hörgerät versorgen können. Um das passende Gerät zu finden, ist es ratsam, die Leistungen von mindestens zwei Hörgeräteakustikern miteinander zu vergleichen.

Der ausgewählte Akustiker ermittelt mit dem Versicherten das geeignete Hörgerät und erstellt einen Kostenvoranschlag. Auf dessen Basis wird ein Antrag mit der ärztlichen Verordnung an die Krankenkasse geschickt.

Wichtig: Erst nach schriftlicher Zusage ist sicher, dass die Kasse den Festbetrag für das ausgewählte Gerät vom Hörgeräteakustiker übernimmt.

Menschen mit Hörschwäche - so die Empfehlung der Verbraucherzentrale - sollten sich von einem Akustiker nicht zur Wahl eines Geräts mit hohem Eigenanteil drängen lassen. Die Krankenkassen sind verpflichtet ihren Versicherten ein Hörgerät zur Verfügung zu stellen, das medizinisch erforderlich ist. In der Regel reichen Kassengeräte aus, bei denen kein Eigenanteil zu leisten ist.

Kann dem Versicherten kein Gerät angeboten werden, welches den medizinischen Bedarf abdeckt, sollte er umgehend Kontakt mit der Krankenkasse aufnehmen. Entscheiden sich Betroffene aus medizinischen Gründen für ein Gerät, das nicht aufzahlungsfrei ist, sollten sie immer einen Antrag auf Übernahme der Mehrkosten bei ihrer Krankenkasse stellen.

Der Weg, den hier Firmen zur Bewerbung ihrer Produkte in Sachen Hörgeräteakustik wählen, ist aus Sicht der Verbraucherzentrale unseriös. Verbraucher, die derartige Werbung nicht wollen, haben einen Auskunftsanspruch gegen das Unternehmen, den sie nachhaltig einfordern können. Firmen müssen auf Drängen des Verbrauchers die gespeicherten Daten für weitere Kontaktaufnahmen sperren oder löschen. Sollten sie dagegen verstoßen, droht eine erfolgreiche Abmahnung. Entsprechende Musterbriefe finden Betroffene hier.

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.