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Wenn der Nachbar zum aufdringlichen Verkäufer wird

Pressemitteilung vom

Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt warnt vor Multi-Level-Marketing bei Nahrungsergänzungsmitteln. Hinter den teuer verkauften „Wunderheilmitteln“ verbergen sich meist gewöhnliche Inhaltsstoffe, die in hochkonzentrierter Form eher schaden als nützen.

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Frau E. litt vor einigen Jahren an einem Tumor. Als ihr Nachbar, der für die Firma „Synergy Worldwide“ arbeitet, das mitbekommt, versucht er, Frau E. zum Kauf der teuren Synergy-Produkte zu bewegen. Er verspricht, diese würden vor zukünftigen Krebserkrankungen schützen. Auch Freunde von Frau E. werden aus ganz unterschiedlichen Gründen zum Kauf der Produkte gedrängt. Doch nicht nur das: Auf eigens dafür ausgeschriebenen Veranstaltungen von Mitarbeitern der Firma Synergy Worldwide werden die Teilnehmer dafür geworben, selbst als Verkäufer tätig zu werden – mit der Aussicht auf großen finanziellen Erfolg. Frau E. sieht diesen Entwicklungen mit Skepsis entgegen und bittet die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt um Rat.

Frau E.´s Nachbar ist Teil einer sogenannten „Multi-Level-Marketing“-Struktur (MLM), einer mehrstufig aufgebauten Sonderform des Direktvertriebs. Kennzeichnend für den Direktvertrieb ist der direkte, persönliche Verkauf von Waren oder Dienstleistungen von Anbietern an Kunden außerhalb von Geschäftsräumen. MLM basiert auf der Verknüpfung der Verkaufstätigkeit mit der Gewinnung neuer Verkaufsmitarbeiter. Neben Synergy Worldwide machen sich auch andere Firmen MLM-Netzwerke zunutze oder basieren auf solch einer Vertriebsstruktur. „Die Verbraucherzentralen halten diese Art des Direktvertriebs gerade bei Nahrungsergänzungsmitteln für problematisch“, so Tabea Dorendorf, Referat Lebensmittel der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Denn die selbständigen Außendienstberater sind – vorrangig aus finanziellem Eigennutz – bemüht, möglichst viele Produkte abzusetzen und neue Mitarbeiter anzuwerben. Eine Fachausbildung, die fundierte Kenntnisse über den Nährstoffbedarf, die Risiken bei der Einnahme isolierter Nährstoffe und des Lebensmittelrechtes vermittelt, ist in aller Regel nicht gefragt.

Werbeaussagen und Empfehlungen zur Einnahme, die diese selbständigen Verkäufer im Verkaufsgespräch mündlich treffen, sind zudem schlecht auf ihren Wahrheitsgehalt und ihre Zulässigkeit von den zuständigen Behörden überprüfbar. Häufig werden Gesundheitsversprechen gemacht, die gesetzlich nicht zulässig sind, da die behaupteten Wirkungen wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden können. Im vorliegenden Fall suggerieren die Versprechen des Herstellers, vor allem auf Facebook, beinahe Wunderheilwirkungen. Dementsprechend wird ordentlich Geld verlangt: Bis knapp 80 Euro pro Monat schlagen die Produkte zu Buche.

 

„Fallen Sie nicht auf Werbeversprechen rein, sondern informieren Sie sich lieber unabhängig.“, so Tabea Dorendorf.

 

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.