Insekten essen?

Pressemitteilung vom

Heuschrecken zum Knabbern, Proteinriegel mit Würmern und Co. – Speiseinsekten und Erzeugnisse daraus halten Einzug im Lebensmittelsortiment. Dabei gelten sie als neuartige Lebensmittel (Novel Food), die in der EU einer Zulassung bedürfen.

Insekten-Essen
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Für einige Insektenarten wurden bereits Zulassungsanträge gestellt. In Deutschland dürfen diese aufgrund von Übergangsregelungen, bis zur Entscheidung über die Zulassung, weiterhin verkauft werden. Mittels eines Marktchecks nahmen die Verbraucherzentralen 32 insektenhaltige Lebensmittel aus Einzelhandel und Drogerien unter die Lupe.

Sicherheitsbedenken bei fehlenden Verwendungshinweisen

Speiseinsekten können krankmachende Mikroorganismen enthalten. Daher sollten sie bei der Herstellung entweder erhitzt oder einem anderen Keimabtötungsverfahren unterzogen werden. Gesetzliche Vorgaben dafür gibt es bislang noch nicht. Bei fast 60 % der im Marktcheck überprüften Produkte war nicht ersichtlich, ob die Speiseinsekten erhitzt oder anderweitig zur Keimabtötung behandelt wurden. Die Verbraucherzentralen fordern daher die Hersteller auf, das Keimabtötungsverfahren zu kennzeichnen und gegebenenfalls auf ein notwendiges Erhitzen vor dem Verzehr hinzuweisen. „Darüber hinaus sollten rechtliche Regelungen mit mikrobiologischen Kriterien speziell für Insekten geschaffen werden, um die Untersuchung durch die Lebensmittelüberwachungsbehörden zu erleichtern und eine adäquate Sicherheit für den Verbraucher zu gewährleisten. Anderenfalls müssten die Übergangsregelungen bis zur Entscheidung über die Novel Food-Zulassung ausgesetzt werden.“ sagt Dr. Nicole Wege vom Referat Lebensmittel der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt e.V.

Kennzeichnung möglicher Allergene lückenhaft

Bei Allergikern gegen Schalen- und Krustentiere, Hausstaubmilben und Weichtiere kann der Verzehr von Speiseinsekten ebenfalls eine allergische Reaktion auslösen. Derzeit muss dies nicht verpflichtend gekennzeichnet werden. Bei allen im Marktcheck untersuchten Lebensmitteln wurde auf eine mögliche allergische Reaktion bei bestehender Schalen- und Krustentierallergie hingewiesen. Dagegen fand sich lediglich bei 72 % der Produkte ein entsprechender Hinweis für Hausstaubmilbenallergiker und nur knapp bei der Hälfte ein Hinweis für Weichtierallergiker. Angesichts bestehender gesundheitlicher Gefahren für Allergiker sollte ein entsprechender Hinweis jedoch gesetzlich vorgeschrieben sein.

Werbeangaben zum Teil fehlerhaft

Mehr als ein Drittel der überprüften Insektenprodukte trugen unzulässige nährwertbezogene Angaben. So wurden beispielsweise zahlreiche Produkte als „reich an Protein“ beworben, obwohl der gesetzlich vorgeschriebene Mindestgehalt an Eiweiß nicht enthalten war. „Die Auslobung von Vitaminen und Mineralstoffen, deren tatsächlicher Gehalt dann aber nicht in der Nährwerttabelle aufgeführt wird, ist ebenso nicht erlaubt“, so Dr. Wege, „hier ist die Lebensmittelüberwachung gefragt, verstärkt zu kontrollieren und Kennzeichnungsmängel zu ahnden“.

Nutzen fraglich und teuer

Viele der im Rahmen des Marktchecks geprüften insektenhaltigen Lebensmittel sind in ihrem Nutzen in Frage zu stellen. Denn sie enthalten oft einen sehr geringen Insektenanteil, aber teils viele süßende Zutaten oder viel Salz. Zudem sind Insektenprodukte mit durchschnittlich 43 € pro 100 g sehr preisintensiv.

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