Befragung der Verbraucherzentralen zu insektenhaltigen Lebensmitteln

Pressemitteilung vom

Mehlwürmer, Grillen und Co. sind neuartige Lebensmittel, deren Zulassung in Europa noch aussteht. Gleichzeitig machen Übergangsregelungen eine Vermarktung bestimmter Insektenprodukte als Lebensmittel bereits jetzt möglich

Insekten-Essen
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Im Zuge einer forsa-Fokusgruppenbefragung im Auftrag der Verbraucherzentralen wurden 3  Personengruppen (Insektenesser, potenzielle Insektenesser, Personen mit Lebensmittelunverträglichen/-allergien) unter anderem zu ihren Motiven und Haltungen hinsichtlich des Verzehrs von insektenhaltigen Lebensmitteln befragt. Hauptargumente für den Verzehr von Insekten waren dabei hauptsächlich der erwartete hohe Proteingehalt und die Möglichkeiten Fleisch zu ersetzen. Gegen den Insektenkonsum sprachen vor allem die wenig ansprechende Optik und die Unsicherheit über den Geschmack.

Darüber hinaus war bei der Befragung das Wissen um das Allergiepotential von Speiseinsekten sowie das Verständnis von Erhitzungshinweisen und Werbeaussagen von Interesse. Dem überwiegenden Anteil der Befragten war nicht bekannt, dass der Verzehr von Speiseinsekten bei Allergikern gegen Schalen- und Krustentiere sowie Hausstaubmilben allergische Reaktionen auslösen kann. Auch wurde von einer generellen Kennzeichnungspflicht potenzieller Allergene ausgegangen. „Daher erwarten wir von den Zulassungsbehörden, dass es bei insektenhaltigen Lebensmitteln künftig einen entsprechenden, verbindlichen Hinweis auf der Verpackung gibt.“ sagt Nicole Wege vom Referat Lebensmittel der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt e.V.

Dass Speiseinsekten, ebenso wie Fleisch, zu den mikrobiologisch sensiblen Lebensmitteln zählen, war vielen der Befragten nicht bekannt.  Produkte, die keinen Verwendungshinweis „vor dem Verzehr zu erhitzen“ trugen, wurden als sofort verzehrfähig angesehen.

Darüber hinaus wurde solch ein Hinweis zum Teil eher als eine Zubereitungsempfehlung interpretiert und nicht als Notwendigkeit, um die Sicherheit der Produkte zu gewährleisten.

Einige der Befragten schrieb den insektenhaltigen Lebensmitteln aufgrund der Angabe „proteinreich“ einen höheren Proteingehalt als herkömmlichen Produkten zu und missdeutete damit die Werbeaussagen. Denn die so beworbenen Produkte müssen entsprechend gesetzlicher Vorgaben lediglich einen Proteinanteil von 20 % in Bezug auf den Brennwert aufweisen-unabhängig vom Proteingehalt von Vergleichsprodukten. „Bedenkt man zudem die geringen Mengen, die an insektenhaltigen Lebensmitteln gegessen werden, so relativiert sich die tatsächliche Proteinaufnahme schnell“ so Nicole Wege.

Auch bei anderen Lebensmitteln gibt es einiges bei der Kennzeichnung zu beachten. Wer wissen möchte, was das Zutatenverzeichnis verrät oder bei welchen Werbeaussagen Vorsicht geboten ist, kann am 10.03.21, von  15-16 Uhr am Online-Vortrag „Angaben auf Lebensmittelverpackungen - Richtig hinschauen lohnt!“ teilnehmen. Die kostenfreie Anmeldung ist über die Internetseite oder per Mail an lebensmittel@vzsa.de möglich.

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